Hinterwandplazenta: Unterscheidung, Bedeutung und Funktion

Die Plazenta übernimmt während der Schwangerschaft wichtige Aufgaben. Es wird zwischen einer Hinterwandplazenta und einer Vorderwandplazenta unterschieden.

Hinterwandplazenta: Grundlegende Informationen

Die Plazenta wird auch als Mutterkuchen bezeichnet. Während der Schwangerschaft versorgt sie das ungeborene Kind mit lebenswichtigen Nährstoffen. Angesiedelt ist die Plazenta im Inneren des Bauches in der Gebärmutter (Uterus). Ihre Verankerung erfolgt durch Gefäße und Gewebe an der Gebärmutterwand. Dadurch erhält das Ungeborene ausreichend Platz trotz des engen Raums. Genau wie das Kind wächst diese Plazenta nur einmal im Bauch der Schwangeren heran, damit es das Baby im Mutterleib schützen und versorgen kann.

Dabei verteidigt der Mutterkuchen das Baby vor Krankheitskeimen und schädlichen Stoffen. In ihm kann sich das Kind gut entwickeln. Zusammengesetzt wird die Plazenta aus schwammigem Gewebe mit dunkelroter Färbung. Ihre großen und kleinen Blutgefäße sind wie Bäumchen verzweigt. Ein Teil füllt sich mit dem Blut der Mutter und der andere mit dem des Kindes. Beinahe ein Liter Blut pro Minute durchströmt den Mutterkuchen in der letzten Phase der Schwangerschaft.

Verbunden ist der Mutterkuchen mit der Nabelschnur. Zum Ende der Schwangerschaft erreicht die Plazenta ungefähr die Größe eines Tellers, wobei sie es auf ein Gewicht von rund 500 Gramm bringt. Sie darf bei der Geburt nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, da sonst intensive Blutungen drohen. Die Plazenta übernimmt außerdem die Funktion, das Blut aus dem Kreislauf der Mutter zu filtern, ehe sie die wichtigen Nährstoffe weiterleitet.

Worum handelt es sich bei einer Hinterwandplazenta?

Die Hinterwandplazenta gibt die Position des Mutterkuchens an, die in der Gebärmutter höchst unterschiedlich ausfallen kann. Von einer Hinterwandplazenta ist die Rede, wenn der Mutterkuchen im hinteren Bereich der Gebärmutter angesiedelt ist. Es gibt außerdem eine Vorderwandplazenta, die sich im vorderen Abschnitt der Gebärmutter befindet. Die genaue Lage der Plazenta wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen festgestellt und in den Mutterpass eingetragen. Im Falle von eventuellen Komplikationen lassen sich auf diese Weise mögliche Ursachen schneller ermitteln.

Schwanger Ultraschall Plazenta
Natalia Deriabina/shutterstock.com

Zu einer Vorderwandplazenta kommt es, wenn sich die Eizelle beim Befruchten im Vorderabschnitt der Gebärmutter eingenistet hat. Positioniert ist die Vorderwandplazenta unmittelbar hinter dem Bauchnabel. Dies bedeutet aber keine Gefahr für Mutter und Kind, weil der Muttermund auch weiterhin freiliegt und keine Behinderung für eine normale Geburt besteht. Im Falle einer Vorderwandplazenta verspürt die werdende Mutter die Tritte des Kindes weniger intensiv, als wenn sich die Plazenta in der normalen Lage befindet. So bewirkt die Vorderwand, dass der Schall der Tritte gedämpft wird.

Bei einer Hinterwandplazenta hat sich die Eizelle im hinteren Abschnitt der Gebärmutter angesiedelt. Sie liegt dem Rücken der Schwangeren zugewandt. Letztlich spielt die Position der Plazenta für die Entwicklung des Babys keine Rolle. Manchmal verändert sich ihre Lage im Verlauf der Schwangerschaft etwas. Damit der Mutterkuchen das Kind perfekt versorgen kann, muss er im Mutterleib mitwachsen können. Er erhält eine maximale Durchblutung. Außerdem ist er dermaßen eingebettet, dass es während der Geburt nicht zu Schädigungen kommt.

Bestehen Risiken?

Bei einer Hinterwandplazenta handelt es sich um einen ganz natürlichen Vorgang, bei dem im Normalfall keine Komplikationen zu befürchten sind. Mitunter ist das Organ etwas höher oder niedriger angesiedelt, was ebenfalls für eine Vorderwandplazenta gilt. Diese Positionen werden vom Arzt im Mutterpass vermerkt. Als Risiko gilt das vorzeige Ablösen des Mutterkuchens von der Wand der Gebärmutter. Treten in der späten Schwangerschaft Schmerzen oder Blutungen auf, muss umgehend der Arzt oder die Hebamme verständigt werden.

Komplikationsfall Plazenta praevia

Als mögliche Komplikation der Schwangerschaft gilt die Plazenta praevia. Die Mediziner sprechen davon, wenn der Mutterkuchen tief abrutscht und zum Verschließen des Muttermundes führt. Dadurch drohen bei der Geburt Komplikationen von lebensgefährlichem Ausmaß.

Störungen der Plazenta

Durch eine Plazentainsuffizienz besteht das Risiko, dass die gesunde Entwicklung des Kindes in Gefahr gerät. In der Regel stellen Ultraschalluntersuchungen dann Wachstumsstörungen des Kindes fest. Nach dem Erkennen der Ursachen werden gezielte Gegenmaßnahmen eingeleitet. Für eine bessere Durchblutung der Plazenta genügt es meist schon, dem Körper etwas Ruhe zu gönnen. Kommt es zu einem Riss der Plazenta, muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Handelt es sich um eine normale Hinterwandplazenta, wird der Mutterkuchen in den meisten Fällen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Manchmal wirkt sich die Position der Plazenta auf die Geburt aus.

Zur Bildung der Plazenta kommt es erst, wenn sich eine Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Ab diesem Moment besteht eine Verbindung zwischen Mutter und Kind. Liegt die Plazenta in Vorder- oder Hinterwand der Gebärmutter, besteht im Prinzip kein Grund zur Besorgnis. Von Bedeutung ist dagegen die Höhe des Mutterkuchens. So kann eine tiefe Position der Plazenta riskant sein und zu einer Plazenta praevia führen, die den Mutterkuchen partiell oder sogar gänzlich verdeckt.

Plazenta Schwangerschaft
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Hinterwandplazenta: Wie wird die Diagnose erstellt?

Die Untersuchung der Plazenta gehört zu den Routineverfahren zu Beginn der Schwangerschaft. Das Verfahren erfolgt per Ultraschall (Sonografie) oder Spekulum. Weil es sich beim Mutterkuchen gewissermaßen um die Lebensader des Kindes handelt, ist die Untersuchung überaus wichtig. Im Rahmen der Plazentauntersuchung ermittelt der Arzt die genaue Position der Plazenta und beurteilt ihren Zustand. Der frühe Zeitpunkt der Untersuchungen dient dazu, eine eventuelle Plazentainsuffizienz zu diagnostizieren. In diesem Fall können Entwicklungsstörungen oder eine Mangelversorgung vorliegen. Eine Plazentainsuffizienz schreitet entweder langsam voran oder tritt ganz plötzlich auf.

Als mögliche Gründe für eine Insuffizienz der Plazenta in Betracht kommen:

  • Eine eklatante Fehl- oder Mangelernährung der Mutter
  • Intensiver Konsum von Tabakwaren
  • Erkrankungen der Mutter wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Infektionen durch Erreger, die via Blutkreislauf zum Kind vordringen
  • Fehler bei der Entstehung des Mutterkuchens

Weil die Plazenta noch im Verlauf der Schwangerschaft ihre Position verändern kann, sind regelmäßige ärztliche Kontrollen überaus wichtig für eine zeitnahe Diagnose.

Probleme durch eine Hinterwandplazenta

Übersetzt bedeutet Plazenta praevia „vorausliegender Mutterkuchen“. Gemeint ist damit eine Fehlstellung, die im Zusammenspiel mit einer Plazentainsuffizienz auftreten kann. Sie gilt als gefährlich, da das Baby beim Geburtsvorgang via Muttermund in Richtung Geburtskanal kommt. Wird der Muttermund von oben durch die Plazenta praevia versperrt oder besteht eine Verwachsung mit dem Unterabschnitt der Gebärmutter, ist das Kind nicht in der Lage, auf herkömmliche Weise das Licht der Welt zu erblicken. Aus diesem Grund muss ein chirurgischer Eingriff wie ein Kaiserschnitt stattfinden.

Baum pflanzen Plazenta
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Was passiert nach der Geburt ?

Egal, ob es sich um eine Hinterwandplazenta oder Vordergrundplazenta handelt: Kurz nach der Geburt kommt es gemeinsam mit der Nabelschnur zum Ausstoß des Mutterkuchens, was auch Nachgeburt genannt wird. Auch wenn dabei ebenfalls Kontraktionen auftreten, fallen sie deutlich weniger schmerzhaft aus als die eigentlichen Wehen. Vom Frauenarzt oder der Hebamme werden Form und Gewicht des Mutterkuchens analysiert. Sollte die Plazenta nicht komplett aus dem Körper ausgeschieden werden, ist das Entfernen der Überbleibsel mithilfe von Instrumenten erforderlich. Ansonsten drohen Komplikationen durch Infektionen oder Blutungen. Acht zu geben ist zudem auf Verkalkungen innerhalb des Mutterkuchens, die vor allem bei Raucherinnen vorkommen können.

Am Ende wird die Plazenta entsorgt, was in der Regel im Krankenhaus geschieht. Sie wird als Sondermüll eingestuft und daher verbrannt. Manchmal wird der Mutterkuchen auch für Forschungszwecke gespendet, um festzustellen, ob bestimmte Arzneistoffe in der Lage sind, die Schranke der Plazenta zu durchqueren.

Die Plazenta vergraben

Als alte Tradition gilt das Vergraben der Plazenta im Garten, damit an dieser Stelle anschließend ein Baum gepflanzt wird. Während die Jungen einen Birnbaum erhalten, bekommen die Mädchen einen Apfelbaum. Aufgrund seiner vielen Nährstoffe bildet der Mutterkuchen einen ausgezeichneten Dünger. Einer Legende nach sollen die Früchte der Bäume heilsam für das jeweilige Kind sein.