Muttermund fingerdurchlässig: Was es zu beachten gibt!

Der Muttermund hat nicht nur während einer Schwangerschaft, sondern auch im ganz normalen Zyklus wichtige Aufgaben. Welche das sind und was es bedeutet, wenn der Muttermund fingerdurchlässig wird, behandelt der folgende Artikel.

Muttermund fingerdurchlässig: Grundlegende Informationen

Der Muttermund befindet sich am unteren Ende des Gebärmutterhalses. Während der fruchtbaren Tage ist der Muttermund weich und liegt weiter oben in der Vagina. Dadurch ist es für Spermien einfacher, in die Gebärmutter und damit zur Eizelle zu gelangen. Wird die Eizelle befruchtet, schließt sich der Muttermund und bleibt weit oben in der Vagina. Findet keine Befruchtung statt, wird der Muttermund ebenfalls hart, wandert aber ein Stück nach unten.

Während einer Schwangerschaft verschließt der Muttermund die Gebärmutter. Dabei hilft ihm der Schleimpfropf, der direkt über ihm liegt. Der Schleimpfropf besteht aus zähem Schleim, der Bakterien abfängt und Infektionen verhindert, die der Mutter oder dem Baby schaden könnten. Während der letzten Wochen einer Schwangerschaft verändert sich der Muttermund. Er bereitet sich auf die Geburt vor, wird wieder weicher und weitet sich, damit das Baby durch ihn und den Gebärmutterhals hindurchgleiten kann. Dabei können Teile oder der ganze Schleimpfropf abgehen. Ein sicheres Zeichen, dass die Geburt bevorsteht, ist das allerdings nicht.

Selbst ertasten

Da sich der Muttermund auch außerhalb einer Schwangerschaft dem Zyklus der Frau entsprechend verändert, nutzen manche Frauen ihn, um ihre fruchtbaren Tage zu bestimmen. Dafür ertasten sie ihn und stellen fest, ob er fest oder weich ist und in welcher Position er sich befindet. Bevor man den Muttermund selbst ertastet, sollte man sich die Hände waschen. Anschließend begibt man sich in eine Hockstellung oder setzt sich tief hin. Diese Haltung erleichtert das Ertasten, da die Gebärmutter und mit ihr der Muttermund ein Stück absinkt.

Muttermund Gebärmutter schwanger
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In dieser Stellung führt die Frau sich einen oder mehrere Finger ein. Frauen, die bereits ein Kind zur Welt gebracht haben, haben es vermutlich leichter, da ihre Gebärmutter allgemein etwas tiefer liegt. Aber auch kinderlosen Frauen gelingt das Ertasten mit ein wenig Übung. Wenn es für beide in Ordnung ist, darf dabei auch der Partner einbezogen werden. Ist der Muttermund geschlossen, fühlt er sich, im Vergleich zum umliegenden Gewebe, hart an, etwa wie eine Nasenspitze. Er hat eine kleine Öffnung, die aber fest zusammengekniffen ist und rau sein kann. Während der fruchtbaren Tage wird diese Öffnung und das direkt darum liegende Gewebe weicher. Es erinnert nun eher an sanft geschlossene Lippen. Die Öffnung führt dafür, dass der Zervixschleim leichter aus der Gebärmutter abfließen kann. Der Schleim erleichtert den Spermien zusätzlich ihren Weg.

Die Frau kann nun vorsichtig und ohne Gewalt prüfen, wie nachgiebig ihr Muttermund ist. Dafür drückt sie sanft gegen die Öffnung. Während der Schwangerschaft eignet sich diese Methode auch, um Kontakt mit dem Baby aufzunehmen. Der Kopf des Babys liegt am Ende der Schwangerschaft im unteren Teil des Beckens. Er lässt sich auch wenn der Muttermund noch fest geschlossen ist, erfühlen. Das Baby reagiert darauf möglicherweise, indem es den Kopf einzieht und ein Stück nach oben schwimmt. Andere Babys schmiegen sich vielleicht an und genießen die Kontaktaufnahme. Das Ertasten des Muttermundes enthält keine Risiken. Lediglich auf Hygiene sollte man dabei achten, um Infektionen zu vermeiden.

Was heißt es, wenn der Muttermund fingerdurchlässig ist?

Der Zustand des Muttermundes wird nach einer Untersuchung im Mutterpass festgehalten. Fingerdurchlässig ist er ab dem Moment, ab dem sich mindestens ein Finger einführen lässt. Bevor es dazu kommt, muss sich jedoch der Gebärmutterhals verkürzen. Erst wenn das passiert ist, der Gebärmutterhals als „verstrichen“ eingetragen wird, erfolgt die Öffnung des Muttermundes. Gleichzeitig geht der Schleimpfropf ab. Schwangere können das an einer größeren Menge Schleim in der Unterwäsche erkennen. Manchmal ist der Schleimpfropf auch mit etwas Blut durchzogen. Es kann aber auch sein, dass man den Abgang des Schleimpfropfes nicht bemerkt. Dieser geht möglicherweise nur Stück für Stück ab und fällt daher nicht auf.

Wehen Geburt Schwangerschaft
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Während der Geburt weitet sich der Muttermund auf insgesamt zehn Zentimeter Durchmesser. Diesen Platz benötigt das Köpfchen des Babys, um hinauszugleiten. Um den Fortschritt der Geburt zu ermitteln, tastet die Hebamme daher hin und wieder zwischen den Wehen nach ihm. Passt ein Finger in den Muttermund, ist dieser etwa einen Zentimeter weit geöffnet. Zwei Finger bedeuten eine Öffnung von etwa drei Zentimetern. Kann man diese auch noch spreizen, sind bereits vier bis fünf Zentimeter geschafft.

Als Faustregel gilt, dass sich der Muttermund während der Geburt einen Zentimeter pro Stunde öffnet. Allerdings verlaufen Geburten sehr individuell. Der Muttermund kann auch mehrere Tage auf zwei Zentimeter geöffnet sein. Hat die Frau keine muttermundwirksamen Wehen, öffnet er sich auch nicht weiter. Anders herum verläuft die zweite Geburt im Schnitt schneller als die erste. Hat sich der Muttermund schon beim ersten Mal schneller als durchschnittlich geöffnet, stehen die Chancen gut, dass die Mutter auch beim zweiten Kind nicht lange warten muss. Aber auch das ist kein Versprechen. Ein fingerdurchlässiger Muttermund ist kein Garant dafür, dass das Baby ein paar Stunden später geboren ist. Er deutet aber darauf hin, dass der Körper der Frau sich auf die Geburt vorbereitet.

Was passiert, wenn der Muttermund zu früh oder gar nicht fingerdurchlässig ist?

Öffnet sich der Muttermund zu früh, droht eine Früh- oder Fehlgeburt. Um diese zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Cerclage ist ein Kunststoffbändchen, welches um den Gebärmutterhals gelegt und zugezogen wird. Dadurch verhindern Ärzte, dass der Muttermund sich weiter öffnet. Auch ein Totaler Muttermundverschluss ist möglich. Dafür wird dieser vernäht und die Naht etwa vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wieder geöffnet. Bei einem Pessar handelt es sich um einen Silikonring, der als zusätzliche Stütze in die Scheide eingesetzt wird. Er ist nur dann möglich, wenn der Muttermund noch geschlossen und der Gebärmutterhals noch nicht völlig verstrichen ist.

Wird der Muttermund unter der Geburt nicht fingerdurchlässig, helfen sich manche Frauen zunächst mit Himbeerblättertee. Dieser soll die Durchblutung im Becken fördern und damit Wehen anregen, die den Muttermund weiten. Reicht das nicht aus, wird oft auf ein Zäpfchen mit Prostaglandin zurückgegriffen. Prostaglandin ist ein Hormon, welches Wehen anregt, welche auch in diesem Fall zur Öffnung des Muttermundes führen sollten.