Ohrensausen in der Schwangerschaft: Wenn es rauscht und piept

Pfeifen, Klingeln, Piepen, Rauschen – wenn Ohrgeräusche auftreten, nennt man dies in der medizinischen Fachsprache einen Tinnitus. Ist eine schwangere Frau von diesem Symptom betroffen, kann das stark verunsichern und belasten – denn das Ohrensausen lässt sich nicht einfach abschalten und verursacht das Gefühl der Hilflosigkeit. Der Tinnitus gehört zu den selteneren, aber sehr belastenden Symptomen einer Schwangerschaft.

Das störende Ohrgeräusch äußert sich hauptsächlich in Form eines konstanten Tons oder Geräusches, wie z. B. Pfeifen, Piepsen, Rauschen, Brummen, Zischen, Dröhnen, Knacken oder Klirren. Zudem gehen diese Ohrgeräusche häufig mit einem starken Ohrendruck, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit einher. Die begleitenden Symptome verschlimmern den Leidensdruck zusätzlich und können die Lebensqualität bei anhaltender Symptomatik massiv einschränken. Unterschieden wird grundsätzlich in den akuten, subakuten und chronischen Tinnitus. Besteht das Ohrensausen bis zu drei Monate, verschwindet dann aber wieder, liegt eine akute Form des Ohrgeräusches vor. Ein subakuter Tinnitus dauert weniger als zwölf Monate an, während die chronische Form auch nach einem Jahr noch besteht.

Was sind die Ursachen für Ohrensausen in der Schwangerschaft?

Für ein Ohrensausen in der Schwangerschaft kann es verschiedene Ursachen geben. Diese sollen im Folgenden erklärt werden.

Hörsturz und Ohrensausen

Tritt ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust auf, dann handelt es sich oft um einen Hörsturz. Einem Hörsturz gehen sehr häufig Ohrgeräusche voraus. Betroffene berichten meist von einem Rauschen. Die Ursachen eines Hörsturzes sind noch nicht gänzlich geklärt – es gibt lediglich Vermutungen, dass Stress, seelische Anspannung, Infektionen oder Bluthochdruck die Entstehung dieser Symptomatik begünstigen können. Tritt in der Schwangerschaft ein Tinnitus mit Hörsturz auf, kann er nur sehr eingeschränkt mit Medikamenten behandelt werden.

Häufig werden im Falle eines Hörsturzes Kortison-Präparate genutzt, die während einer Schwangerschaft nicht in allen Fällen eingesetzt werden dürfen. Nutzen und Risiko werden aufgrund des Schutzes des Ungeborenen streng abgewogen. Trotzdem besteht immer noch Hoffnung – ein Hörsturz kann in vielen Fällen von selber ausheilen. Nicht selten braucht es dazu viel Zeit, Geduld, Begleitung und Ruhe.

Infektionskrankheiten des Mittelohres

Zu einer Infektion im Mittelohr kann es auch außerhalb der Schwangerschaft kommen. Und dennoch haben Schwangere häufig ein schwächeres Immunsystem und sind damit anfälliger für Erkältungen und Infekte. Tritt eine heftige Erkältung oder Grippe auf, kann sich innerhalb kurzer Zeit eine Infektion im Mittelohr entwickeln, die zu starken Schmerzen und Ohrgeräuschen führt. Das ausgeprägte Krankheitsgefühl, die Schmerzen und der Druck im Ohr veranlassen die Betroffenen meist sehr bald dazu, einen Arzt aufzusuchen.

Dies ist in diesem Fall auch unumgänglich. Um die Infektion und das begleitende Ohrensausen möglichst schnell wieder loszuwerden, ist in vielen Fällen eine Behandlung mit Antibiotika und Ohrentropfen nötig. Klingt die Entzündung unter der Behandlung ab und gönnt sich die Schwangere genug Ruhe und Erholung, verschwindet auch das Ohrensausen mit der Zeit wieder von selbst.

Ohrenschmerzen Schwanger
Antonio Guillem/shutterstock.com

Stressbedingter Tinnitus

Der Tinnitus an sich ist prinzipiell keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Er ist der Sammelbegriff für Ohrgeräusche in jeglicher Form. Die Gründe des Tinnitus sind nicht in ihrem vollen Umfang geklärt – doch sehr häufig reagieren Menschen mit einem Tinnitus, wenn sie starke seelische Belastungen oder massiven Stress durchleben. Auch Schwangere können durch ausgeprägte familiäre, berufliche, körperliche und finanzielle Veränderungen unter einem starken Druck stehen. Zudem wirkt sich die hormonelle Veränderung auch auf das Gefühlsleben aus, was durchaus zu starken Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen führen kann.

Hat die Schwangere wenig Unterstützung oder fühlt sich mit der Situation überfordert und alleingelassen, kann ein Tinnitus das Alarmsignal des Körpers sein. Die Seele der schwangeren Frau ist überlastet und braucht Ruhe. Bei einem stressbedingten Tinnitus muss die Schwangere kompetent und unterstützend in ihrer Situation begleitet werden, um den Stress abzubauen und sie im Umgang mit der neuen Situation zu stärken.

Ohrensausen in der Schwangerschaft: Bluthochdruck als Ursache

Eine von zehn Schwangeren leidet in ihrer Schwangerschaft an Bluthochdruck. Die Symptome sind dabei dieselben wie bei einem normalen Bluthochdruck. Dazu zählen z. B. Ohrgeräusche, Schwindel, Kopfschmerzen, Luftnot und Schlaflosigkeit. Rührt das Ohrensausen nachgewiesen von einem zu hohen Blutdruck, sollte die Schwangere in jedem Fall engmaschig untersucht werden, um das Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung so niedrig wie möglich zu halten. Häufig ist eine medikamentöse Therapie nötig, um den Blutdruck und damit den Tinnitus in den Griff zu bekommen.

Flüssigkeitsmangel

Wenn der Kreislauf instabil ist, reagiert der Körper mit eindeutigen Warnsignalen: Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Ohrensausen sind häufige Anzeichen einer drohenden Ohnmacht. Da bei Schwangeren der Kreislauf durch das Ungeborene zusätzliche Leistung erbringen muss, ist es unabdingbar, dass er mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wird. Vor allem am Anfang der Schwangerschaft haben viele Frauen mit der Übelkeit zu kämpfen und nehmen dabei zu wenig Flüssigkeit zu sich.

Flüssigkeitszufuhr Wasser
frankvessia/shutterstock.com

Hier ist es wichtig, dass die Schwangere regelmäßig kleinere Mengen stilles Wasser oder ungesüßten Tee zu sich nimmt, um den Kreislauf bei seiner Arbeit zu unterstützen. In gravierenden Fällen einer Schwangerschaftsübelkeit ist es der Frau nicht mehr möglich, etwas zu sich zu nehmen – dann geht kein Weg an einem Klinikaufenthalt vorbei. Ist der Wasserhaushalt aufgefüllt und der Kreislauf wieder stabil, verschwindet das Ohrensausen von selbst.

Verstopfung durch Ohrenschmalz

Aufgrund der veränderten Hormonlage in der Schwangerschaft stellt sich der Körper in vielen Prozessen um. Auch die Konsistenz des Ohrenschmalzes verändert sich. Sammelt sich vermehrt Ohrenschmalz im Gehörgang, kann es zu einer Verstopfung kommen, die dann ein unangenehmes Ohrgeräusch und auch Druckgefühl hervorruft. Begünstigt wird die Verstopfung, wenn die Ohren unvorsichtig mit Wattestäbchen gereinigt werden. Im Falle einer Blockade des Gehörgangs durch Ohrenschmalz kann der HNO-Arzt durch eine Behandlung schnelle Abhilfe schaffen. Nach dem Arztbesuch ist das Ohr wieder frei und auch das Ohrensausen gehört der Vergangenheit an.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Grundsätzlich sollte bei jedem akut oder langsam auftretenden Geräusch im Ohr ein Arzt zu Rate gezogen werden. In vielen Fällen führt eine zügige Therapie zu einer schnellen Erleichterung. Kann die Ursache nicht sofort gefunden werden, ist der Arztbesuch trotzdem von großer Wichtigkeit – in diesem Fall ist eine genaue Ursachenforschung, eine engmaschige Kontrolle und die Beratung der Schwangeren ein grundlegender Bestandteil der Behandlung.

Ohrenarzt Schwangerschaft
Bangkoker/shutterstock.com

Wie kann man Ohrensausen in der Schwangerschaft vermeiden?

Vorsorge ist besser als Nachsorge – auch wenn Ohrgeräusche nicht immer vermieden werden können, ist es empfehlenswert, mögliche Auslöser schon im Vorfeld auszuschalten. Grundsätzlich für eine Prophylaxe sind die grundlegenden Regeln einer gesunden Lebensführung für Schwangere. Dazu gehören ganz praktisch eine abwechslungsreiche Ernährung, ausgewogener Sport, genügend Schlaf und der regelmäßige Besuch beim Frauenarzt.

Besonders wichtig ist zudem die mentale Fitness und die Seelenpflege – denn gerade Schwierigkeiten und Belastungen in diesem Gebiet können in vielen Fällen die Entstehung von Ohrensausen begünstigen. Um dies zu vermeiden, hat die Pflege von Freundschaften, der Kontakt mit anderen Schwangeren und eine vertraute und stabile Partnerschaft einen hohen Stellenwert. Geraten die Emotionen sehr stark oder über längere Zeit ins Wanken, ist es ratsam sich Hilfe bei einer engen Vertrauensperson, einem kompetenten Seelsorger oder Therapeuten zu holen.