Zu viel Fruchtwasser trotz negativem Zuckertest: Was tun?

Zuckertest in der Schwangerschaft
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Die häufigste Ursache für zu viel Fruchtwasser in der Gebärmutter ist Diabetes. Ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes ist bei der Diagnose Hydramnion die erste Maßnahme. Wenn der Zuckertest negativ ist, kommen als weitere Ursachen kindliche oder mütterliche Erkrankungen in Betracht. Unter ärztlicher Aufsicht kommen die meisten Babys trotz zu viel Fruchtwasser gesund zur Welt.

Zu viel Fruchtwasser: Diagnose trotz negativem Zuckertest

An der Fruchtwasserproduktion sind Organe der Mutter und des Embryos beteiligt. Liegt eine Funktionsbeeinträchtigung vor, wird der Kreislauf gestört. Das kann zu zu viel oder zu wenig Fruchtwasser führen. Ist die Fruchtwassermenge erhöht, sprechen Mediziner von einem Hydramnion. Häufig tritt dieses während des zweiten Trimesters erstmals auf. Entsprechen Bauchumfang und der Fundusstand nicht der Schwangerschaftswoche, bestimmt der Frauenarzt den Fruchtwasserindex mittels einer Ultraschalluntersuchung. Auch einige Beschwerden der werdenden Mutter können ein Anzeichen für zu viel Fruchtwasser sein. Dazu zählen Atembeschwerden und ein für das Schwangerschaftsstadium zu großer, praller, druckempfindlicher Bauch.

Fruchtwasser: Die Funktionen im Detail

Das Fruchtwasser umgibt das heranwachsende Kind fast von Beginn der Schwangerschaft an. Es schützt den Embryo vor Stößen und so vor mechanischen Schädigungen. Es verhindert Verwachsungen mit dem Amnion, der innersten Eihaut, die das ungeborene Kind umhüllt. Fruchtwasser hat nicht nur eine schützende Funktion für das Baby. Es bietet ideale Bedingungen für Wachstum und Entwicklung der Organe. Das Fruchtwasser schützt vor Austrocknung und ist für die Temperaturregulierung zuständig. Es verhindert, dass die Nabelschnur von seinem Gewicht zusammengedrückt wird.

Wie viel Fruchtwasser ist normal?

Die Menge des Fruchtwassers ändert sich im Laufe der Schwangerschaft. Etwa bis zur 38.SSW nimmt die Menge des Fruchtwassers zu. In der 20. SSW beträgt die Menge 350 bis 500 ml und bis zur 38. SSW sind über 1.000 ml normal. In den letzten Wochen bis zur Geburt nimmt die Fruchtwassermenge leicht ab. Ein Zuviel an Fruchtwasser tritt in der Schwangerschaft nur bei ein bis zwei Prozent auf. Beträgt die Fruchtwassermenge im letzten Trimester mehr als 2.000 ml, diagnostizieren Mediziner ein Polyhydramnion oder einfach Hydramnion. Häufiger ist zu wenig Fruchtwasser vorhanden. Dies wird in der Medizin als Oligohydramnion bezeichnet.

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Gründe, die zu einem Hydramnion führen

Zu den möglichen Gründen für zu viel Fruchtwasser zählen Schwangerschaftsdiabetes und Infektionen wie Toxoplasmose. Aber auch Herzfehler, Plazenta oder eine Mehrlingsschwangerschaft sind mögliche Gründe. Nicht immer kann die Ursache herausgefunden werden. Grundsätzlich kann das Problem von der Mutter oder vom Kind verursacht werden. Das bedeutet, es wird entweder zu viel Fruchtwasser von der Schwangeren produziert oder zu wenig vom Ungeborenen verwertet.

Der Grund liegt bei der Mutter

Die häufigste Ursache ist unentdeckter oder unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes. Darum zählt der Zuckertest bei der werdenden Mutter zu den ersten Maßnahmen. Fällt dieser negativ aus, können infektiöse Erkrankungen wie Toxoplasmose oder Listeriose schuld sein. Eine weitere Möglichkeit ist eine Rhesus-Unverträglichkeit. Plazentaschwäche oder Fehlbildungen der Plazenta sind weitere Ursachen für einen Fruchtwasserüberschuss.

Erkrankungen des Kindes

Bereits ab der 14. Schwangerschaftswoche beginnt das Ungeborene Fruchtwasser zu trinken. Mit fortschreitender Schwangerschaft ist es zunehmend für die regelmäßige Erneuerung von Fruchtwasser zuständig. Trinkt es zu wenig oder produzieren seine Nieren zu viel Harn, erhöht sich die Fruchtwassermenge. Für frisches Fruchtwasser sind auch Lungen, Nase und Mund verantwortlich. Ein Problem mit der Nierenfunktion kann eine vermehrte Harnausscheidung auslösen.

Schluckstörungen können als Folge einer Anomalie des Magen-Darm-Traktes auftreten. Sie sind möglicherweise neurologisch oder neuromuskulär bedingt. Störungen im Erbgut wie Trisomien sowie Blutungen im kindlichen Gehirn kommen als weitere mögliche Ursachen infrage. Bei einer Trisomie handelt es sich um einen genetischen Defekt. Bestimmte Chromosomen liegen in jeder Körperzelle dreifach statt zweifach vor. Der Gendefekt kann beim ungeborenen Kind diagnostiziert werden.

Zu viel Fruchtwasser trotz negativem Zuckertest: Beschwerden, Symptome und Komplikationen

Durch das Zuviel an Fruchtwasser wird die Gebärmutter unnötig überdehnt. Ein zu großer Bauch ist für die werdende Mutter belastend. Die betroffenen Schwangeren leiden unter Atemproblemen und Verdauungsstörungen. Zu den Symptomen gehören vorzeitige Wehen und Unterleibsschmerzen. Studien zeigen, dass es häufiger zum Vena-cava-Syndrom und zu Beinödemen kommt. Beim Vena-cava-Syndrom drückt das Gewicht des Kindes die untere Hohlvene zusammen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen erschwert zu viel Fruchtwasser das Hören der Herztöne und das CTG schreiben.

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Das Baby erhält indes mehr Bewegungsfreiheit in der Fruchtblase. Es besteht eher die Gefahr, dass das Kind eine ungünstige Lage wie eine Querlage oder Beckenendlage einnimmt. Unter Umständen kann ein Kaiserschnitt erforderlich sein. Eine übervolle Fruchtblase birgt die Gefahr vorzeitiger Wehen und eines vorzeitigen Blasensprungs. Das Risiko für einen Nabelschnurvorfall und eine Plazentaablösung ist erhöht. Ist die Fruchtblase bei Geburtsbeginn noch nicht geplatzt, lassen Geburtshelfer das Fruchtwasser kontrolliert abfließen. Durch die überdehnte Gebärmutter tritt fallweise eine Wehenschwäche auf, da sie sich nicht genügend zusammenziehen kann.

Behandlungsmöglichkeiten bei Polyhydramnion

Werden die Ursachen der Polyhydramnion gefunden, stehen die Chancen gut, dass sich die Fruchtwassermenge normalisiert. Mütterliche oder kindliche Erkrankungen können medikamentös behandelt werden. In den meisten Fällen finden die behandelnden Ärzte keine schwerwiegenden Ursachen. Hat die werdende Mutter große Probleme mit der Übermenge an Fruchtwasser, kann eine Fruchtwasserdrainage Linderung bringen. Dabei wird etwas Fruchtwasser über eine dünne Kanüle abgelassen. Bei fortgeschrittener Schwangerschaft zählt das Einleiten der Geburt zu den ärztlichen Maßnahmen.

Fazit

Es tritt selten ein, dass Schwangere zu viel Fruchtwasser haben. In vielen Fällen können die Ursachen dafür nicht ausgeforscht werden. Die Kinder kommen fast immer gesund zur Welt. Treten starke Beschwerden wie Schwindel, Atembeschwerden und Wehen auf, sollten diese immer vom Arzt abgeklärt werden.