Eckenhocker: Wenn sich die befruchtete Eizelle versteckt

eckenhocker ultraschall
Gorodenkoff/shutterstock.com

Wenn es um Kinderwunsch und Schwangerschaften geht, ist ein „Eckenhocker“ eine befruchtete Eizelle beziehungsweise ein Embryo, der sich zunächst nicht zeigt. Normalerweise nistet sich eine befruchtete Eizelle zwischen dem 6. und 10. Tag nach der Befruchtung in die Gebärmutterschleimhaut ein und wächst dort. Liegt der Ort der Einnistung in einem für den Ultraschall toten Winkel der Gebärmutter, kann das Baby ein sogenannter Eckenhocker sein.

Woher kommt der Begriff Eckenhocker und was bedeutet er genau?

Eckenhocker ist kein offizieller Fachbegriff. Vielmehr handelt es sich dabei um eine umgangssprachliche Bezeichnung, die Frauenärzte für einen „unsichtbaren“ Embryo benutzen. Inzwischen hat sich der Begriff etabliert und ist vielen Frauen mit Kinderwunsch bekannt. Viele Frauen suchen sofort nach einem positiven Schwangerschaftstest einen Gynäkologen auf. Der Test ist sehr früh, also unmittelbar nach dem Ausbleiben der Periode erfolgt. Dann will die Frau natürlich sofort Sicherheit haben und bittet den Frauenarzt um eine Untersuchung. Erfolgt dann ein Ultraschall kann der Arzt wahrscheinlich schon eine leicht vergrößerte Fruchthöhle erkennen. Bestenfalls ist sogar die befruchtete Eizelle als winziges Pünktchen sichtbar.

Ist nur die Fruchthöhle vergrößert und keine Frucht zu sehen, kann es sich um einen Eckenhocker handeln. Das bedeutet, dass sich die befruchtete und noch winzig kleine Eizelle in einer Ecke der Gebärmutter eingenistet hat, wo sie für den Ultraschall des Arztes nicht zu sehen ist. Eckenhocker bedeutet also, das wachsende Baby hockt oder verbirgt sich in einer Ecke der Gebärmutter. Ist kein Embyro zu sehen, kann das aber auch auf eine Molenschwangerschaft hinweisen. Die umgangssprachliche Bezeichnung für Moleschwangerschaften ist „Windei“. Betroffen sind ca. 5 % aller Schwangerschaften. Bei diesem Phänomen versteckt sich der Embryo nicht, sondern entwickelt sich einfach nicht weiter. Nur die Plazenta wächst.

ultraschall bild
shisu_ka/shutterstock.com

Sind Anzeichen einer Schwangerschaft vorhanden (Ausbleiben der Regel, Vergrößerung der Fruchthöhle) und kein Embryo sichtbar, kann es sich also um ein Windei oder einen Eckenhocker handeln. Windei würde bedeuten, dass aus der Schwangerschaft langfristig nichts wird. Ein Eckenhocker wird im Verlauf der weiteren Schwangerschaft sichtbar und wird sich sehr wahrscheinlich ganz normal entwickeln.

Windei oder Eckenhocker: Das große Zittern

Kommen Frauen mit dieser Diagnose nach Hause, heißt es Hoffen und Bangen. Eine Windei-Schwangerschaft löst sich binnen acht Wochen von alleine wieder auf. Entwickelt sich das befruchtete Ei nicht weiter, wird es vom Körper abgestoßen und die Plazenta bildet sich wieder zurück. Das Ei geht im Rahmen einer Regel-/Blutung ab. Bis ein Eckenhocker sichtbar wird oder ein Windei abgeht, vergehen einige Wochen der Anspannung. Vor allem, wenn sich Frauen sehr ein Baby wünschen, kann diese Zeit der Unsicherheit und des Wartens extrem belastend sein. Dennoch gilt: Die ersten Wochen einer Schwangerschaft gelten immer als sehr unsicher. Selbst ein normal befruchtetes und wachsendes Ei kann in dieser Zeit noch abgehen.

Die Urintests schlagen schon mit dem Ausbleiben der Regel an. Sie bringen aber keine sicheren Ergebnisse, ob sich auch wirklich eine entwicklungsfähige Eizelle eingenistet hat. Experten warnen daher zunehmend vor häufigen und sehr früh erfolgenden Schwangerschaftstests. Diese können Stress und Paniken rund um den Kinderwunsch fördern. Frauenärzte raten Frauen daher zu mehr Gelassenheit und entspanntem Warten, statt zu ständiger Kontrolle und Angst.

Die Schwangerschaft sicher feststellen

Ab etwa der 6. bis 7. Schwangerschaftswoche kann ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin besser sehen, ob sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat. Ab diesem Zeitpunkt ist normalerweise auch der Herzschlag des Embryos erkennbar. Doch so manch ein Eckenhocker bleibt selbst dann noch unsichtbar. In der Regel überweisen Frauenärzte Patientinnen, die nicht abwarten möchten, dann in ein Krankenhaus. Dort haben die Ärzte viel bessere Ultraschallgeräte und können die Gebärmutter besser ausleuchten. Häufig werden die Eckenhocker dann durch ein leichtes Flimmern doch noch sichtbar.

So manch ein Baby, das sich in die Ecke gedrückt hat, ist selbst in der 8. Schwangerschaftswoche oder noch länger nicht erkennbar. Die Wahrscheinlich, dass es sich um ein Windei gehandelt hat, schwindet mit dieser Frist aber auch dahin. Schwangere, die mit einem unsichtbaren Embryo über die 8. Woche kommen, dürfen also wahrlich guter Hoffnung sein, dass sich das Kind noch zeigt.
Irgendwann wird das Baby natürlich so groß und der Herzschlag so deutlich, dass es sichtbar werden muss.

schwangere frau beim frauenarzt
Serhii Bobyk/shutterstock.com

Die Grenzen der Diagnostik akzeptieren

So manch eine Schwangere denkt fälschlicherweise, dass durch Ultraschall jeder Winkel der Gebärmutter sichtbar wird. Doch das stimmt so nicht. Bei der Frühdiagnostik wird der Schallkopf des Ultraschallgeräts vaginal eingeführt. Die ausgesendeten Schallwellen werden von den Strukturen des Körpergewebes zurückgeworfen. Aus dem Echo errechnet der Computer ein zweidimensionales Bild der Gebärmutter.

Da die Gebärmutter die Form eines Kelches mit dünnen Ecken hat und der Ultraschallkopf gerade von unten auf den Kelch trifft, sind die äußersten Ecken nicht sichtbar. Ein Bluttest kann leider auch nicht sicher feststellen, dass in der Gebärmutter ein entwicklungsfähiger Embryo heranwächst. Frauen, die sich ein Baby wünschen, bleibt trotz modernster Technik und Untersuchungsmöglichkeiten anfangs also oft nur das geduldige Warten.

Sind Eckenhocker und Zottensitzer dasselbe?

Ein Zottensitzer ist in etwa dasselbe wie ein Eckenhocker. Auch hier handelt es sich um einen umgangssprachlichen Begriff. Die Innenwand der Gebärmutter beziehungsweise die Plazenta bilden zottenartige Auswüchse. Nistet sich eine befruchtete Einzelle in einem Hohlraum zwischen zwei Zotten ein, kann sie in sehr jungen Stadium für den Ultraschall unsichtbar bleiben. Zottensitzer sind insgesamt noch seltener als Eckenhocker und der Begriff ist weniger geläufig. Ein Zottensitzer entwickel sich in der Regel auch zu einem normalen Fötus und wird irgendwann sichtbar.