Wehen im Wasser: Was eine Badewanne bewirken kann

Baden wirkt entspannend, ausgleichend und wohltuend. Das ist allgemein bekannt. Auch dass das Baden während der Schwangerschaft für Ruhe und Gelassenheit sorgt, ist kein Geheimnis. Doch wie ist das eigentlich mit den Wehen? Ist ein Bad nun wehenfördernd oder wehenhemmend? Was ist das Besondere an Wassergeburten? Welchen Einfluss hat das Baden auf die Wehentätigkeit? Wir versuchen Licht in die Dunkelheit rund um das Thema Baden und Wehen zu bringen.

Wehen in der Badewanne: Das beliebte Heublumenbad

Heißes Baden entspannt die Muskulatur. Eine Zugabe von Heublumen kann behilflich sein um den Muttermund weich werden zu lassen. Es ist jedoch empfehlenswert, die schwangere Frau beim Baden nicht allein zu lassen, da sich das Blut schnell in Arme und Beine verteilen kann, sodass der Kreislauf eventuell an Stabilität verliert. Ein Glas Wasser zum Trinken sollte vorsichtshalber immer in Reichweite stehen. Mit Heublumen sind diverse Wiesenkräuter, Blumen und Gräser gemeint. Dazu gehören vor allem Süßgräser und verschiedene Kleesorten. Sie haben den weitverbreiteten Ruf, die Beckenbodenmuskulatur zu lockern, die allgemeine Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung zu fördern.

Der Damm gewinnt an Elastizität, sodass einem Dammschnitt oder Dammriss vorgebeugt werden kann. Heublumenbäder können im getrockneten Zustand oder als Flüssigkeit erworben werden. Auf jeden Fall stellen sie eine großartige Möglichkeit dar auf sanfte Art und Weise auf die Geburt vorzubereiten. Doch auch während der Wehentätigkeit schwören einige Frauen auf das traditionelle Heublumenbad. Die entspannende Wirkung kann schließlich kurz vor der Geburt nicht schaden.

Badezusätze um die Wehen zu fördern

Bestimmte Badezusätze wie Eukalyptusöl, Kampfer, Eisenkraut, Ingwer, Zimtblätter, Zimtblätteröl oder Nelkenöl verstärken die Wehen. Wenn die werdende Mutter schon über dem errechneten Entbindungstermin ist, kann sie in Absprache mit der betreuenden Hebamme eine oder mehrere der erwähnten Zusätze in das Badewasser geben und dadurch die Wehentätigkeit anregen. Empfohlen wird eine Wassertemperatur von 38 Grad Celsius.

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Wie verhalten sich Wehen im Wasser?

In den meisten Fällen ist es so, dass Vorwehen, Senk- und Übungswehen beim Baden im warmen Wasser schwächer werden oder sogar vollständig verschwinden. Dann ist das Baby noch nicht bereit auf die Welt zu kommen. Die echten Geburtswehen jedoch bleiben beziehungsweise verstärken sich im warmen Wasser oft. Verkürzen sich durch das Baden die Abstände zwischen den einzelnen Wehen, wird es Zeit die Hebamme zu rufen oder ins Krankenhaus zu fahren.

Demnach stellt das Baden eine hervorragende Methode dar, um herauszufinden, um welche Art von Wehen es sich handelt und wie weit die Geburt bereits vorangeschritten ist. Diese Wehenprüfung sollte die Schwangere idealerweise machen, wenn eine Person in der Nähe ist, die beim Aussteigen aus der Wanne helfen kann. Die Wehen sind im warmen Wasser stärker und effektiver und der Muttermund öffnet sich schneller. Die Geburtsdauer lässt sich durch ein Bad im warmen Wasser verkürzen.

Die Wassergeburt

Viele Frauen schwärmen von einer Geburt im Wasser. Diejenigen die es erleben durften, sind überwiegend sehr begeistert. Genauso haben wir von anderen Fällen gehört, bei denen die Gebärende sich vorher eine Wassergeburt sehr positiv ausgemalt hat, dann aber in der Situation bemerkte, dass es doch nicht die richtige Methode für sie war. Einige Frauen möchten nur die erste Phase der Geburt im Wasser verbringen und kommen dann lieber aus dem Geburtspool heraus um das Kind zu gebären. Bei anderen Schwangeren ist es genau umgekehrt, sodass nur die Austreibungsphase im Wasser stattfindet. Die individuellen Bedürfnisse der Frau spielen unter der Geburt eine wichtige Rolle.

Erwiesen ist, dass warmes Wasser dazu in der Lage ist, Schmerzen zu lindern. Deswegen verwundert es nicht, dass die Wehenschmerzen von den betroffenen Frauen als erträglicher empfunden werden. Oft verkürzt sich im Wasser die Geburt. Ein weiterer Vorteil der Wassergeburt ist, dass durch die verminderte Schwerkraft im Wasser der Druck auf das Becken erheblich verringert wird. Die Gebärende erfährt mehr Bewegungsfreiheit als an Land und kann mit den Wehen leichter umgehen.

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Warum das Baden bei einer Wassergeburt Wehen fördert

Der Energieverbrauch des Körpers der Schwangeren ist im Wasser nicht so groß wie normalerweise. Das zeigt sich spätestens im Wochenbett. Laut einer Studie waren Mütter, die im Wasser geboren hatten, frischer und kräftiger als die Frauen, die an Land ihren Nachwuchs auf die Welt brachten. Ein positiver Effekt, der oftmals nach Wassergeburten beschrieben wird, ist, dass die Geburtswege nicht sehr stark geschwollen sind, wenn die Geburt im warmen Wasser stattgefunden hat. Außerdem ist der Blutverlust während der Wassergeburt meist geringer als bei herkömmlichen Geburten.

Auch das Baby hat im Wasser weniger Stress. Es kommt vom Fruchtwasser in das warme Badewasser auf die Welt. Der sogenannte Atemschutz-Reflex, auch als Taucherreflex bekannt, sorgt dafür, dass das Neugeborene nicht unter Wasser eigenständig atmet. Die feinen Haare um Nase und Mund des Kleinen reagieren auf das Wasser und senden ein Signal an den Kehlkopf, die Luftröhre zu verschließen. Die Sauerstoffzufuhr ist über die Nabelschnur gesichert. Der erste selbstständige Atemzug des Babys findet erst an der Luft statt. Der Übergang in die neue Welt gestaltet sich bei einer Wassergeburt sanft.

Hebammen und Kinderärzte machten die Beobachtung, dass sich Babys, die im Wasser geboren worden waren, überraschend gut entwickeln. Sie verlieren im Durchschnitt weniger Gewicht und wachsen in den ersten Monaten schneller. Später sollen sie angeblich stabiler und gelassener sein als die Kinder, die auf herkömmlichen Weg das Licht der welt erblickten. Trotzdem sollte sich die Schwangere darüber klar sein, dass im Wasser keine PDA gelegt werden kann und eine Wassergeburt nur möglich ist, wenn keine Komplikationen auftreten.