Abstilltabletten: Dosierung, Nebenwirkungen und Tipps

Abstilltabletten
fizkes/shutterstock.com

Der Zeitpunkt, zu dem Frauen mit dem Abstillen beginnen möchten, sollte immer ganz individuell festgelegt werden. Er richtet sich unter anderem nach den persönlichen Lebensumständen aus. Es ist zum Beispiel wichtig, ob, und wenn ja wann, die Frau wieder beginnen möchte zu arbeiten. Hier lässt sich das Abstillen zeitlich gut planen und kann nach einer selbst gewählten Methode des Abstillens bestens einkalkuliert werden.

Allerdings gibt es auch unvorhergesehene Ereignisse, die ein schnelles Abstillen nötig machen können. Das kann etwa eine Operation der Mutter sein, die nicht aufgeschoben werden kann. Müssen in deren Rahmen Medikamente eingenommen werden, oder ist die Mutter dann zeitweise nicht verfügbar um das Kind zu stillen, ist es besser zügig abzustillen, und das Kind mit der Flasche weiter zu ernähren. Hier können Abstilltabletten eine gute Alternative sein, um den Prozess des Abstillens möglichst schnell einzuleiten und zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Wann es sich anbietet Abstilltabletten zum Abstillen einzusetzen

Abstilltabletten sind immer verschreibungspflichtig. Das heißt, dass die Mutter vor ihrer Einnahme ihren Arzt aufsuchen und die Einnahme der Tabletten mit ihm absprechen muss. In aller Regel wird das schnelle Abstillen mit Tabletten nur aus medizinisch notwenigen Gründen von Ärzten befürwortet und unterstützt. Andernfalls würde der Arzt der Frau das Medikament gar nicht erst verschreiben. Ein möglicher Grund dafür kann zum Beispiel eine immer wiederkehrende Entzündung der Brust sein.

Derartige Brustentzündungen können für Mütter sehr schmerzhaft sein, weshalb sich der große Wunsch bei ihnen breit machen kann, möglichst schnell abzustillen, damit die dauernden Brustentzündungen abklingen können und sie wieder schmerzfrei sind.  Weitere Gründe für die Einnahme von Abstilltabletten können verschiedene Krankheiten der Mutter sein. Möglicherweise steckt auch ein Suchtmittelmussbrauch der Mutter hinter der Notwendigkeit für ein schnelles Abstillen.

muttermilch ersatz
evso/shutterstock.com

In diesem Fall soll verhindert werden, dass das Kind über die Muttermilch schädliche Suchtstoffe aufnimmt, die es in seiner Entwicklung schädigen oder behindern könnten. Da das Abstillen mit der Hilfe von Abstilltabletten ein unnatürlicher Eingriff in die biologischen Prozesse nach einer Geburt ist, ist die Rücksprache mit dem Arzt wichtig. Dieser prüft durch Untersuchungen und Gespräche mit der Mutter, ob das Abstillen über Abstilltabletten in diesem Einzelfall vertretbar ist.

Das passiert beim Abstillen

Abstilltabletten enthalten entweder den Wirkstoff Cabergolin oder den Wirkstoff Bromocriptin. Beide haben Einfluss auf die weitere Bildung eines Hormons. Dabei handelt es sich um das sogenannte Stillhormon Prolaktin. Stillt die Mutter ihr Kind in natürlicher Art und Weise, dann ist das Hormon Prolaktin dafür verantwortlich, dass sich immer wieder Milch in den Brustdrüsen bildet. Gebildet wird Prolaktin in der Gehirnanhangdrüse der Mutter. Die Wirkstoffe Cabergolin oder Bromocriptin wirken direkt im Gehirn, und zwar auf den Botenstoff Dopamin.

Cabergolin oder Bromocriptin kopieren sinnbildlich gesprochen die natürliche Wirkung von Dopamin und gaukeln dem menschlichen Gehirn somit vor, dass zusätzliches Dopamin vorhanden wäre. Dieser künstlich herbeigeführte Überschuss an Dopamin führt letztendlich dazu, dass die Milchbildung in den weiblichen Brustdrüsen herabgesetzt wird und schließlich vollständig zum Erliegen kommt.

Wie werden Abstilltabletten dosiert und eingenommen?

Die Dosierung von Abstilltabletten erfolgt in aller Regel individuell. Die Einnahme des Medikaments wird immer sehr engmaschig vom behandelnden Arzt begleitet und überwacht. Somit ist gewährleistet, dass Frauen die für sie passende Dosierung an Wirkstoffen erhalten. Abstilltabletten sind deshalb in unterschiedlichen Wirkstoffstärken erhältlich. Gegebenenfalls wird die Dosierung im Verlauf der Behandlung vom Arzt angepasst. Dabei ist auch das Stadium der Behandlung wichtig. Gegebenenfalls wird zunächst eine höhere Wirkstoffmenge gegeben, die im Verlauf der Behandlung dann schrittweise reduziert wird.

In der Regel müssen Abstilltabletten zwei Mal am Tag eingenommen werden. Die Einnahme erfolgt morgens und abends, jeweils zu den Mahlzeiten. Diese Art von Arzneimitteln sollte immer zusammen mit Flüssigkeit eingenommen werden. Am besten eignet sich hierfür ein Glas Wasser. Die vom Arzt empfohlene Dosis darf nicht überschritten werden. Ein zügigeres Abstillen lässt sich dadurch nicht herbeiführen. Zudem kann es bei Überdosierungen sehr leicht zu gesundheitlichen Problemen und Körperreaktionen kommen.

Ganz typisch ist hierfür ein ausgeprägter Brechreiz, der meist auch zum Erbrechen führt. Außerdem können dann ein unangenehmer Schwindel und eine stark erhöhte Form der Erschöpfung und Schläfrigkeit auftreten. Sollte die vom Arzt empfohlene Einnahmedosis überschritten worden sein, sollte umgehend die Arztpraxis kontaktiert werden.

abstilltabletten dosierung
fizkes/shutterstock.com

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Gelegentlich treten als Nebenwirkung der Einnahme von Abstilltabletten Probleme des Magen-Darm-Trakts auf. Diese können sich als Verstopfung, Durchfall oder Bauchschmerzen äußern. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich. Außerdem kommt es häufiger zu Kopfschmerzen und Schlafstörungen, Schwindel, Appetitlosigkeit sowie Mundtrockenheit. Auch Auswirkungen auf die Psyche sind denkbar, zum Beispiel Angstzustände, eine starke innere Unruhe, Depressionen und Psychosen.

Weiterhin sind Haarausfall, Hautreaktionen, Wassereinlagerungen, Durchblutungsstörungen oder plötzlich auftretende Atemnot möglich. Auch Muskelkrämpfe und Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen können mögliche Nebenwirkungen sein. Sollte man als Patientin eine, oder mehrere, dieser Nebenwirkungen bei sich selbst feststellen, ist es angeraten den behandelnden Arzt zu kontaktieren.

Wie lange wird unter der Einnahme von Abstilltabletten weiter gestillt?

Wenn eine Frau mit der Einnahme von Abstilltabletten beginnt, kann sie ihr Kind ganz ohne Probleme noch weiter stillen. Üblicherweise werden Abstilltabletten über einen Zeitraum von einer bis zwei Wochen kontinuierlich eingenommen. Dabei ist zu beachten, dass das Abstillen über Abstilltabletten umso problemloser verläuft, je kürzer die Geburt zurückliegt. Am besten sind die Ergebnisse in den ersten drei Wochen nach der Geburt. Danach kommt es sehr oft zu Nebenwirkungen und Frauen, die gerne schnell mit Abstilltabletten abstillen möchten, sollten sich gut überlegen, ob dies tatsächlich der beste Weg für sie ist.

Werden die Abstilltabletten schließlich abgesetzt, setzt unter Umständen der sogenannte Rebound-Effekt ein. Das bedeutet, dass der durch die Tabletten künstlich unterbundene Milchfluss wieder einsetzt. Dann muss die Einnahme des Medikaments unter ärztlicher Aufsicht fortgesetzt werden. Es ist möglich, dass dann die komplette Behandlung wiederholt werden muss.

Möglichkeiten der Unterstützung

Parallel zur Einnahme der Abstilltabletten sollten Frauen Salbeitee trinken. Salbei ist ein natürlicher Hemmer der Milchproduktion und erhöht die Erfolgsaussichten des Abstillens mit Abstilltabletten. Außerdem ist es hilfreich das Kind die Brüste sozusagen leer trinken zu lassen, damit die Milchdrüsen sich entspannen können. Kühlende Brustumschläge hemmen weiterhin die Milchbildung. Eng anliegende BHs tun dies ebenfalls.