Grüezi Nachbarn – Deutsch-Schweizerisches Familientreffen im Reka-Feriendorf Wildhaus

als wir letztes Wochenende im Reka-Feriendorf in Wildhaus waren, durften wir die Familie von Rita ‚Die Angelones‘ kennen lernen. Wir haben uns über viele spannende Themen rund um das Mamasein ausgetauscht und trotz unseres „kleinen“ Altersunterschieds, so viele Gemeinsamkeiten entdeckt. 

Wenn es Euch interessiert, wie meine Antworten auf die nachfolgenden Fragen sind, könnt ihr diese hier nachlesen: „Hallo Nachbarn: Deutsch-Schweizerisches Familientreffen

Das Gespräch

Sandra: Wie fühlst Du dich in der Rolle als Jungsmama?

Rita: Als ich bei meiner ersten Schwangerschaft erfuhr, dass es ein Junge werden würde, war ich grad etwas verdutzt. Ich war mir so sicher, dass ich ein Mächen, eine Kopie von mir, schaffen würde. Die Vorstellung, dass ich in Junge produzieren könnte, der mir dann auch noch ähnlich werden könnte, erschien mir eigentartig. Auch wusste ich nicht so recht, wie ich denn mit einem Jungen umgehen sollte. Selber bin ich mit einer Schwester aufgewachsen, ich hatte in meiner Kindheit nur Mädchen als Freundinnen und Jungs erschienen mir immer etwas fremd. Auch heute noch ist mir die Welt der Männer manchmal sehr schleierhaft.. 🙂 Anyway. Als unser Grosser aber da war, war alles richtig so, wie es war. Ein Junge! Das war cool, von Anfang an! Der Umgang mit ihm als Junge war so selbstverständlich als hätte ich nie etwas anderes gemacht in meinem Leben. Mit jedem Tag war die Freude grösser, dass ich dank ihm nun einen direkten Einblick in die Welt der Männer erhielt. Als dann schon kurz darauf auch noch klar war, dass auch das zweite Kind ein Junge war, fand ich dies sogar perfekt. Zwei Brüder, drei Männer und ich  mittendrin!

Erst mit der Zeit begann ich dann aber zu begreifen, wie streng zwei Jungs sein können. Erst recht, wenn sie so voller Energie und Tatendrang sind wie unsere. Zwei Jungs zu haben bedeutet rund um die Uhr aktiv zu sein, viel Sport zu treiben und ja, viele Dinge zu tun, die Überwindung kosten, manche Mutprobe zu meistern. Doch vielleicht es gerade das, was mich jung hält. Manchmal denke ich, dass die beiden Wirbelwinde mein Jungbrunnen sind. Auch wenn mein Familienleben mit insgesamt drei Männern perfekt ist, so wie es ist, so fühle ich mich manchmal als Frau etwas alleine auf weiter Flur. Insbesondere dann, wenn ich in Ruhe halt so „Frauendinge“ wie ruhen, lesen, oder Fingernägel lackieren möchte. Dinge eben, wofür Männer leider nicht so viel Verständnis aufbringen können…

Sandra: Welche Rolle spielt Ernährung für euch in der Familie?

In unserer „Cucina Angelone“ wird täglich gekocht. Unser wichtigster Familientermin ist abends, wenn wir alle zusammen rund um unseren grossen Familientisch sitzen und gemeinsam „Znacht“ essen. Unsere Küche ist eine Fusion zwischen der italienischen und der Schweizer Küche. Gerne probieren wir immer wieder neue Rezepte aus und achten bei der Ernährung auf möglichst gesunde, frische und saisonale Zutaten. Fürs Einkaufen und Essen betreiben wir verhältnismässig viel Aufwand, weil es uns so wichtig ist. Von klein auf haben wir unsere Jungs beim Einkaufen und Kochen miteinbezogen. Zwei Jahre lang haben sie zudem einen Schülergarten bewirtschaftet. Dank diesem Einsatz haben sie nicht nur selber erfahren, was es alles braucht, damit Gemüse und Früchte wachsen und reifen können, sondern sie sind auch offener geworden in Bezug auf Lebensmittel, die Kinder häufig nicht so gern haben. Unterdessen sind die Jungs schon so gross, dass wir sie sehr gut beim Kochen einspannen können. Sie machen es sehr gerne und gut und auch wenn es für uns sehr viel mehr Zeitaufwand bedeutet, so lohnt sich dieser Einsatz aus unserer Sicht sehr. Ganz aktuell kochen wir nach Jamie Oliver. Er hat ganz coole, einfache Rezepte, die wir nun zusammen kochen! Das macht wirklich Spass! Eine gesunde Ernährung und vorallem Gemeinsames Kochen schafft in erster Linie eine wahnsinnig feste Beziehung zueinander. Über Düfte, Geschmack und überhaupt über alle Sinneserfahrungen, die man gemeinsam in der Küche macht, schafft man bleibende Erinnerungen.

Sandra: Mediennutzung bei Kindern: Wie macht ihr das? Wie wird das Thema in der Schweiz wahrgenommen?

Die Mediennutzung ist in der Schweiz ein grosses Theama. Wie wohl überall. Bis zum Alter von rund 3 Jahren haben unsere Kinder weder TV geschaut noch ein Notebook oder Handy genutzt. Dann haben wir die Zügel etwas gelockert: Sie spielten oft und gerne mit diesem Tiptoi-Stift, durften einzelne Kinder-DVDs schauen oder die eine oder andere App am Tablet nutzen. Wir haben immer darauf geschaut, dass die Mediennutzung irgendwie einen Lerneffekt hatte. Daneben haben wir hunderte, nein, tausende! von Bilderbüchern angeschaut bzw. gelesen. Auch heute noch überwiegt der Anteil an Lesen gegenüber dem Anteil, den unsere Jungs für elektronische Medien einsetzen. Heute haben aber beide ein Tablet, auf welchem sie hin und wieder auch gamen dürfen. Ein Smartphone haben auch beide, allerdings nur für diese Tage, an denen sie abends ins Sporttraining fahren und alleine in der Stadt unterwegs sind. Zuhause wird das Handy wieder zur Seite gelegt, weil es keinen Nutzen erfüllen würde. Was allerdings dazu kommt: In der Schule arbeiten die Jungs je länger je mehr an Tablets. Diese gehören in der Schweiz zum Lehrplan dazu. Den Mittelweg, den wir zwischen „ziemlich streng“, aber doch auch immer wieder „erlauben“, eingeschlagen haben, finde ich gut. Verbieten kann und soll man es nicht. Doch die Kinder alleine machen zu lassen, das ginge nicht. Es braucht Regeln und diese umzusetzen führt auch bei uns oft zu Konflikten. Aber es muss sein. Das sehen die Kinder interessanterweise schon ein. Aber sie könne sich nicht selber regulieren. Sie brauchen uns Eltern dazu.

Sandra: Wie würdest Du euren Erziehungsstil beschreiben?

Rita: Unseren Erziehungsstil kann ich nicht beschreiben. Wir erziehen wohl nach verschiedenen Stilen. Mal sind wir ziemlich streng, mal eher nicht. Was aber sicher ist: Unser Erziehungsstil ist ein Mix zwischen einem südländischen, eher traditionellen und einem schweizerischen, eher offenen Erziehungsstil, den wir beide als Eltern je einbringen. Beide Wertesysteme unter einen Hut zu bringen und sie in Form von Erziehung zu leben, ist im Alltag nicht ganz so einfach. Doch der Mix macht es auch aus. Was unser Familienleben sicher auch auszeichnet: Wir reden alle viel und gerne. Jeder hat seine Meinung, jeder gibt sie kund und jeder steht dafür ein und möchte sich auch durchsetzen. Einen Konsens zu finden ist bei so starken und auch temperamentvollen Charakteren wie wir sie alle vier sind, alles andere als einfach. Aber bis jetzt ist es – mal besser, mal weniger – gut gelungen! 🙂

Sandra: Welcher Zeitpunkt war für Dich der richtige um Mama zu werden? 

Rita: Ich hatte lange keinen expliziten Kinderwunsch. Dies, weil ich lange zur Schule ging, studierte und mich immer wieder in Weiterbildungen befand. Daneben hatte ich immer tolle Jobs, trieb meine Karriere voran und hatte stets grosse Freude an dem, was ich tat. Unser erstes Kind kam also auf die Welt, als ich bereits 38 war. Beim zweiten war ich 40. Ob das (zu) spät ist, ob es besser gewesen wäre, früher Mutter zu werden? Diese Frage kann man so nicht beantworten, denn das Leben hält sich an keinen Plan. Das Leben passiert und viel wichtiger erscheint mir, dass wir in jedem Moment des Lebens immer das tun, wovon wir überzeugt sind. Ich habe es ihn jungen Jahren genossen, frei und unabhängig zu sein, berufliche Entscheidungen zu treffen, ohne an die Familie denken zu müssen und ja, ich konnte mir auch ein schönes finanzielles Pölsterchen aufbauen. Als später Mutter hatte ich dann das Privileg auch mal nichts tun zu müssen, da ich zwischen 20 und fast 40 rein beruflich Vollgas gegeben hatte. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Einen Aspekt habe ich aber doch noch anzufügen: die biologische Stärke, die Gesundheit. Es ist natürlich schon so, dass man mit 50 nicht mehr ganz so tough ist wie mit 20. Auch steigt das Risiko als ältere Mutter krank zu werden oder vielleicht zu sterben. Manchmal überlege ich mir schon, ob ich es schaffe, gesund 60 zu werden, um meine Kinder „heil“ ins Erwachsenenalter verabschieden zu können. Aber auch das entscheidet einfach das Leben. Es gehört einfach ganz viel Zuversicht dazu und dann kommt jedes Lebensmodell gut.

Sandra: Was ist dein erster Gedanke wenn Du an Deutschland denkst?

Denke ich an Deutschland, so denke ich automatisch an ein riesengrosses Land im Verhältnis zur kleinen Schweiz!  Deutschland ist so gross, man kann innerhalb von Deutschland so weit reisen und ist immer noch im eigenen Land! Und sofort danke ich auch an euer „richtiges, Hochdeutsch“, das ich so gerne richtig beherrschen würde. Wir Schweizer haben ja immer ein bisschen den Komplex, dass wir nicht gut genug Hochdeutsch sprechen können… und wir beneiden euch um euer Deutsch, um eure Sprache, die euch immer so souverän wirken lässt!

Ich denke aber auch an ganz viel Kultur, und ja, auch an Wohlstand, ein gutes Bildungssystem, eine Grundsicherheit eben. Ich denke manchmal, dass wir ebenso gut und gerne in Deutschland leben könnten. Deutschland ist uns vertraut, wir verfolgen, was bei euch passiert. Ein guter Nachbar halt, schon fast ein Freund 🙂

Liebe Rita, ich möchte mich bei Dir und deiner Familie noch mal für die schönen Stunden und tollen Gespräche in der Schweiz bedanken und hoffe sehr, dass wir uns ganz bald wieder sehen. Gerne bei einem Treffen in unserem wunderschönen München.

Wie es uns in Reka-Feriendorf Wildhaus gefallen hat, könnt ihr gerne hier noch mal nachlesen oder mir einfach direkt schreiben.

Alles Liebe

Sandra

  

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4 thoughts on “Grüezi Nachbarn – Deutsch-Schweizerisches Familientreffen im Reka-Feriendorf Wildhaus

  1. Super schönes Interview! Ich glaube das wir und die Schweizer uns von der Lebenseinstellung und der Erziehung garnicht so unterscheiden! Liebe Grüße Marie
    1. Guten Morgen liebe Marie, Dankeschön! Jaaaa das Gefühl hatte ich auch und es war wirklich mal spannend, ein bisschen mehr über das Leben in der Schweiz und deren Ansichten zu erfahren. Liebste Grüße und einen schönen Sonntag. Sandra
  2. Liebe Sandra, ich wollte dir nur kurz sagen das ich deine Beiträge immer so gerne lese! Ich wünsche euch weiter eine tolle Zeit und einen schönen Sonntag. Liebe Grüße aus Deggendorf Jasmin
    1. Hallo meine Liebe Jasmin, ich freu mich wahnsinnig, dass Du dir die Zeit nimmst und meine Beiträge liest und mir auch noch so liebe Worte da lässt. Ich danke dir und wünsche dir einen wunderschönen Sonntag. Alles Liebe deine Sandra

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